Ein Arbeitsmodell für reife Männlichkeit unter Druck
Nicht härter. Nicht perfekter. Sondern verkörperter.
The Grounded Man ist ein Arbeitsmodell für Männer, die unter Druck nicht automatisch in Rückzug, Leistung, Kontrolle oder Abwehr gehen möchten.
Im Zentrum steht eine praktische Frage: Was hilft dabei, auch unter Aktivierung orientiert zu bleiben, mit sich selbst verbunden zu handeln, Affekte halten zu können und relevante Unterschiede nicht aus dem Blick zu verlieren?
Das Modell bündelt dafür vier Kernkompetenzen:
Orientierungsfähigkeit, Selbstanbindungsfähigkeit, Affektkompetenz und Differenzierungsfähigkeit.
Sie werden nicht isoliert verstanden. Mit Feldbezug bezeichnet das Modell die relationale und kontextuelle Dimension ihrer Anwendung: Gegenüber, Beziehung, Rolle, Aufgabe und konkrete Situation bleiben mit im Blick.
The Grounded Man ist keine Rolle, der ein Mann entsprechen soll. Es ist ein Arbeitsmodell, eine Übungspraxis und ein Buchprojekt über verkörperte Orientierung, Beziehung und verantwortliches Handeln unter Druck.
Reife Männlichkeit bedeutet hier nicht Dominanz, Härte oder Unabhängigkeit um jeden Preis.
Auch Reife bezeichnet im Grounded-Man-Modell keinen festen Status und keine globale Eigenschaft eines Menschen. Gemeint ist die kontextabhängige Fähigkeit, bei Komplexität oder emotionaler Aktivierung ausreichend differenziert, flexibel, mit eigener innerer Referenz und verantwortlich zu handeln.
Ein Grounded Man muss deshalb nicht immer ruhig, souverän oder unangreifbar sein. Entscheidend ist eher, was auch dann noch verfügbar ist – oder wieder verfügbar werden kann –, wenn Druck entsteht.
Dafür unterscheidet das Modell vier Kernkompetenzen.
Orientierungsfähigkeit bezeichnet die Fähigkeit, verkörperte Orientierung herzustellen, hinreichend aufrechtzuerhalten und nach ihrem Verlust wiederzugewinnen.
Dabei können der eigene Körper und der umgebende Raum als zwei unterscheidbare wahrnehmungsbasierte Bezugssysteme verfügbar werden. Orientierung bedeutet dabei nicht automatisch Ruhe, Sicherheit oder Regulation.
Selbstanbindungsfähigkeit bezeichnet die Fähigkeit, den Prozess der Selbstanbindung aufzunehmen, unter relevanten Bedingungen verfügbar zu halten und nach einer Unterbrechung wieder aufzunehmen.
Eigene Wahrnehmungen, Bedürfnisse, Werte und Bewertungen können dadurch als relevante innere Referenz verfügbar bleiben, während Rückmeldungen anderer berücksichtigt werden, ohne automatisch zum alleinigen Maßstab zu werden.
Affektkompetenz bezeichnet die Fähigkeit, innere Aktivierung, Gefühle, Körperempfindungen und Handlungsimpulse wahrzunehmen, im Erleben hinreichend verfügbar zu halten, innerhalb dieser affektiven Domäne zu unterscheiden und zu modulieren, ohne sie automatisch zu unterdrücken oder auszuagieren.
Affektkompetenz bedeutet deshalb mehr als Emotionsregulation. Ein Gefühl darf vorhanden sein, ohne unmittelbar bestimmen zu müssen, was als Nächstes geschieht.
Differenzierungsfähigkeit bezeichnet die Fähigkeit, unter innerem und relationalem Druck Aspekte auseinanderzuhalten, die leicht ineinanderfallen.
Differenzierungsfähigkeit bedeutet dabei nicht, sich aus einer Situation herauszudenken oder emotional zu distanzieren. Sie soll gerade ermöglichen, mit dem eigenen Erleben und der Situation verbunden zu bleiben, ohne relevante Unterschiede zu verlieren.
Die vier Kernkompetenzen werden immer in konkreten Situationen angewandt.
Feldbezug bezeichnet im Grounded-Man-Modell diese relationale und kontextuelle Dimension. Relevant können Informationen aus dem Gegenüber, aus der Beziehung, der eigenen Rolle, einer Aufgabe oder der aktuellen Situation sein.
Feldbezug ist keine fünfte Kernkompetenz.
Auch Feldwahrnehmung ist nicht dasselbe: Feldwahrnehmung kann eine konkrete Prozessoperation bezeichnen – also das Wahrnehmen relevanter Kontextinformationen. Feldkompetenz gehört nicht mehr zur aktuellen Grounded-Man-Kompetenzarchitektur.
Das Grounded-Man-Protokoll beginnt nicht zuerst mit Analyse oder Deutung, sondern mit Orientierung.
Die Aufmerksamkeit wird zunächst auf die aktuelle Umgebung und anschließend unter anderem auf Kontaktflächen, Körperachsen, Körperwahrnehmung, Raumwahrnehmung und Atem gelenkt.
Im Grounded-Man-Modell bezeichnet verkörperte Orientierung eine Wahrnehmungsorganisation, in der der eigene Körper und der umgebende Raum als zwei unterscheidbare wahrnehmungsbasierte Bezugssysteme gemeinsam verfügbar sind.
Dabei müssen Körper und Raum nicht permanent gleichzeitig fokussiert werden. Aufmerksamkeit kann zwischen beiden wechseln oder beide innerhalb eines erweiterten Wahrnehmungsfeldes einschließen.
Das Modell formuliert daraus eine Trainingshypothese: Wiederholte Praxis könnte dazu beitragen, dass verkörperte Orientierung leichter hergestellt, länger aufrechterhalten oder nach ihrem Verlust schneller wiedergewonnen werden kann. Ob und in welchem Ausmaß das Grounded-Man-Protokoll die Orientierungsfähigkeit tatsächlich verbessert, muss empirisch geprüft werden.
Viele Übungen richten Aufmerksamkeit unmittelbar auf Gefühle oder innere Themen. Das kann hilfreich sein.
The Grounded Man ergänzt diesen Zugang um die Frage nach der aktuellen Orientierung:
Körper und Raum werden dabei nicht als zwei eigenständige neurobiologische Orientierungssysteme verstanden, sondern als zwei unterscheidbare wahrnehmungsbasierte Bezugssysteme.
Eine Methode, die ebenfalls stark mit räumlichen Positionen und Beziehungen arbeitet, ist Clean Space Coaching. Dort werden innere Themen über Orte, Abstände und Positionen im Raum erkundet. Clean Space und das Grounded-Man-Protokoll sind jedoch unterschiedliche Methoden und sollten nicht über einen gemeinsamen Wirkmechanismus gleichgesetzt werden.
Für eine durch wiederholte Praxis möglicherweise zunehmend zuverlässig verfügbare Organisation verkörperter Orientierung verwendet das Grounded-Man-Modell den Begriff verkörperte Orientierungsarchitektur.
Das ist ein theoretisches Konstrukt – keine anatomische Struktur und kein empirisch nachgewiesener neurobiologischer Mechanismus.
Als Strukturressource bezeichnet das Modell die hypothetische funktionale Qualität, die einer ausreichend zuverlässig verfügbaren Orientierungsarchitektur zugeschrieben werden kann: Sie könnte als wiederholt nutzbarer Bezugsrahmen für weitere Wahrnehmungs- und Handlungsprozesse dienen.
Ob eine solche Orientierungsarchitektur tatsächlich Selbstanbindung, Regulation, Präsenz, Selbstorganisation oder Handlungsfähigkeit erleichtert, ist eine davon getrennte Wirkungshypothese.
Selbstanbindung bezeichnet den fortlaufenden Prozess, eigene innere Wahrnehmungen, Bedürfnisse, Werte und Bewertungen als relevante Referenz wahrzunehmen und bei Entscheidungen und Verhalten mit zu berücksichtigen.
Selbstanbindung bedeutet weder Autarkie noch Rückzug. Andere Menschen dürfen berühren, beeinflussen und Rückmeldung geben, ohne automatisch zum alleinigen Maßstab zu werden.
Regulation bezeichnet Prozesse, durch die emotionale, körperliche oder kognitive Aktivierung sowie Aufmerksamkeit, Impulse und Verhalten situations- oder zielbezogen beeinflusst oder aufrechterhalten werden.
Regulation bedeutet nicht automatisch Beruhigung. Je nach Situation kann sie Dämpfen, Verstärken, Halten, Umlenken oder flexibles Wechseln umfassen.
Präsenz bezeichnet eine Form gegenwartsbezogener Aufmerksamkeit, bei der relevante innere und äußere Wahrnehmungen sowie die aktuelle Situation hinreichend verfügbar bleiben.
Präsenz ist nicht dasselbe wie Ruhe, Regulation oder Sicherheit.
Verantwortung bedeutet, den eigenen Anteil an Entscheidungen, Handlungen, Unterlassungen, Zusagen und übernommenen Rollen anzuerkennen und relevante Folgen zu berücksichtigen.
Verantwortung bedeutet weder Alleinverursachung noch vollständige Kontrolle über ein Ergebnis oder über die Gefühle eines anderen Menschen.
The Grounded Man ist nicht als Theorie darüber gedacht, wie Männer sein sollten. Die Kompetenzarchitektur soll helfen, konkrete Situationen genauer zu betrachten.
Die Richtung ist nicht Unberührbarkeit. Es geht um mehr verfügbare Wahlmöglichkeiten unter Druck.
Die Audio-Übungen sind praktische Bausteine dieser Arbeit.
Das Grounded-Man-Protokoll ist eine geführte Praxis verkörperter Orientierung. Es führt von der Wahrnehmung der aktuellen Umgebung über Kontaktflächen und Körperachsen zur Körper- und Raumorientierung sowie zur Atemwahrnehmung.
Es ist nicht als schnelle Beruhigungstechnik gedacht und soll keinen bestimmten Gefühlszustand herstellen.
Die zugrunde liegende Trainingshypothese lautet vielmehr, dass wiederholte Praxis die Orientierungsfähigkeit unterstützen könnte. Weitergehende mögliche Wirkungen auf Selbstanbindung, Regulation oder Handlungsfähigkeit müssen davon getrennt betrachtet werden.
Eine geführte Praxis verkörperter Orientierung mit Außenorientierung, Kontaktflächen, Körperachsen, Körperorientierung, Raumorientierung und Atemwahrnehmung.
Eine Übung für Momente, in denen Druck, Konflikt oder innere Aktivierung zunehmen. Im Mittelpunkt stehen Orientierung und die Wiederaufnahme von Selbstanbindung – nicht das Ziel, nichts mehr zu fühlen.
Die Übung findest Du auch auf der Seite Stress bei Männern.
Ich arbeite derzeit an einem Buch mit dem Arbeitstitel The Grounded Man – ein Modell für reife Männlichkeit.
Autor des Buchprojekts und Entwickler des Grounded-Man-Protokolls. In meiner Praxis in Berlin-Kreuzberg verbinde ich Männercoaching, Körperwahrnehmung, Selbstregulation und Beziehungsthemen.
Das Buch entwickelt die vier Kernkompetenzen Orientierungsfähigkeit, Selbstanbindungsfähigkeit, Affektkompetenz und Differenzierungsfähigkeit und untersucht, wie sie unter Druck und in Beziehung verfügbar bleiben oder wieder verfügbar werden können.
Feldbezug beschreibt dabei die relationale und kontextuelle Dimension ihrer Anwendung. Das Grounded-Man-Protokoll bildet einen praktischen Zugang zur verkörperten Orientierung.
Reife Männlichkeit bezeichnet hier kein festes Ideal und keine Entwicklungsrangstufe. Gemeint ist die Möglichkeit, auch bei Komplexität oder emotionaler Aktivierung ausreichend differenziert, flexibel, mit eigener innerer Referenz und verantwortlich zu handeln.
Die vier Kernkompetenzen des Modells sind Orientierungsfähigkeit, Selbstanbindungsfähigkeit, Affektkompetenz und Differenzierungsfähigkeit.
Selbstanbindung ist ein Prozess: Eigene Wahrnehmungen, Bedürfnisse, Werte und Bewertungen bleiben als relevante innere Referenz verfügbar und werden bei Entscheidungen und Verhalten berücksichtigt.
Selbstanbindungsfähigkeit bezeichnet dagegen die Kompetenz, diesen Prozess aufzunehmen, unter Druck hinreichend verfügbar zu halten und nach einer Unterbrechung wieder aufzunehmen.
The Grounded Man ist ein Arbeitsmodell. Das Grounded-Man-Protokoll ist eine darin verwendete strukturierte Praxis verkörperter Orientierung.
Nein. Feldbezug bezeichnet die relationale und kontextuelle Dimension, in der die vier Kernkompetenzen angewandt werden.
Im Männer Coaching kann das Modell als Orientierungshilfe dienen, um beispielsweise Stress, Rückzug, Konflikte, Beziehungsmuster, Vatersein, Grenzen oder Verantwortungsfragen genauer zu betrachten und praktisch zu bearbeiten.
Wenn Du The Grounded Man nicht nur lesen oder hören, sondern praktisch im Coaching erkunden möchtest, können wir im Erstgespräch klären, ob die Arbeit zu Deinem Anliegen passt.
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